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Text: Nicolas von Lettow-Vorbeck

 

Die anstrengende Unverbindlichkeit des Seins


Moderne Kommunikationsmittel ermöglichen es uns, jederzeit und spontan mit anderen Menschen zusammen zu kommen. Feste Verabredungen scheinen antiquiert, es regiert die ungeheuer anstrengende Unverbindlichkeit des Seins.


Verabredung als Spontan-Ereignis

Erwartungsvoll richten wir ein freudiges „Wollen wir uns morgen gegen vier Uhr auf einen Kaffee treffen?“ an unser Gegenüber. Doch dieser haucht uns entgegen: „Hm. Ich weiß noch nicht genau, ob ich da kann. Wir können das ja ganz spontan machen. Ich meld‘ mich!“ Na prima, jetzt wissen wir genau, worauf wir uns einrichten können, diese „Botschaft“ kann Alles und Nichts bedeuten!


Unverbindlichkeitsmaschine Handy

Dank des massiven technologischen Fortschritts verfügen wir heute über kommunikative Freiheiten, von denen unsere Großeltern noch nicht einmal träumen konnten. Dank Mobiltelefon und Co. benötigen wir scheinbar keine festen Termine mehr, können uns sofort zusammenlocken und jederzeit Einladungen aussprechen oder diese abschlagen. Denn was spontan gefragt wird, kann man mit dem Verweis auf die Kurzfristigkeit der Anfrage auch leicht und ohne schlechtes Gewissen ablehnen.

 

Spontanität kostet Energie

Diese Unverbindlichkeit, diese Alles-kann-Nichts-muss-Gesellschaft fordert uns aber auch täglich: Ständig müssen wir multioptional denken, planen und handeln. Nichts scheint sicher, kaum ein Termin steht wirklich fest, jederzeit kann sich alles ändern. Wir reagieren auf dieses Chaos: und zwar mit Überforderung!
Spontanität schön und gut, aber wollen wir deswegen nicht mehr planen, uns auf ein Treffen freuen und uns vorher Gedanken machen dürfen? Wer würde sich freuen, wenn Gäste spontan bei ihm nach Feierabend auf der Matte stehen würden? Das gilt heutzutage als unhöflich, schließlich gibt es Mittel und Wege sich anzukündigen.
Verbindlichkeit ist ein Gebot der Höflichkeit. Feste Aussagen tragen die Botschaft: Ich respektiere deine Zeit, du bist mir wichtig. Nutzen Sie diese Chance, geben Sie feste Zusagen oder freundliche und begründende Absagen. In dieser Welt der Vielleicht-Menschen werden Sie so positiv in Erinnerung bleiben.

 

Zuverlässigkeit – Warum sie notwendig ist
und was uns davon abhält


Maschinen verrichten verlässlich und planbar ihre Arbeit. Bei stetiger Wartung und korrekter Bedienung sind sie höchst zuverlässig. Menschen dagegen haben Gefühle, eine Geschichte, wandeln beständig ihre Stimmung und sind deshalb zum Glück keine Maschinen. Doch in Punkto Zuverlässigkeit könnten sich viele Menschen ein Stück von den technischen Geräten abschneiden, ohne Gefahr zu laufen einen Teil ihrer Menschlichkeit zu verlieren, denn Unzuverlässigkeit raubt den Mitmenschen Zeit und führt zu herben Enttäuschungen.
 

Was ist eigentlich Zuverlässigkeit?

Zuverlässigkeit erleichtert das Zusammenleben in der Gesellschaft ungemein. Es bedeutet Verlässlichkeit und Stehen zu seinem Wort. Zuverlässigkeit ist ein hohes Gut. Wer von seinen Freunden und Bekannten als zuverlässig eingeschätzt wird, genießt oft ein hohes Ansehen und das Vertrauen seiner Mitmenschen. Es ist besser, sich mit zuverlässigen Feinden zu umgeben, als mit unzuverlässigen Freunden“, bemerkte der amerikanische Schriftsteller und Nobelpreisträger John Steinbeck hierzu nur halb im Scherz.

Zuverlässigkeit geht aber noch weit über den Pünktlichkeitsbegriff hinaus. Jeder weiß über die Bedeutung von Verlässlichkeit, aber in der Umsetzung tun wir uns oft schwer. Doch woran liegt das, ist es der angebliche Werteverfall? Die Gründe sind vielfältig. Einige Menschen sind einfach unorganisiert oder überfordert, andere können einfach nicht „Nein“ sagen versprechen so mehr, als sie halten können. Ein Grund spielt sicher auch

die Unverbindlichkeit durch die neuen Medien. Per SMS oder E-Mail kann man schnell und unpersönlich absagen. Diese Hürde ist deutlich niedriger, als jemanden anzurufen und einen Termin im persönlichen

Gespräch abzusagen.


Fortschritt als Chance

Da sie uns ständig kommunizieren lassen, beinhalten unsere digitalen Werkzeuge aber auch die Chance heute in vielen Bereichen noch zuverlässiger zu agieren. Das Smartphone erinnert uns zum Beispiel zuverlässig an Geburtstage und Verabredungen und Verspätungen können dank Mobiltelefon sofort angekündigt werden. Gerade Pünktlichkeit ist ein wesentliches Indiz für Zuverlässigkeit, denn Zeit ist unser wichtigstes Gut. Wer gibt uns dann das Recht ausgerechnet über die Zeit eines Anderen zu verfügen? Sich aber nur auf sein Smartphone zu verlassen ist gefährlich. Es sollte das (mit-)denken nicht ersetzen. Wieder einmal zeigt ssich durch ihren Anwender und seine Anwendung.


Der Gentleman und die Zuverlässigkeit

„Ein Mann, ein Wort“ gehört zum Verhaltenskanon eines Gentleman, denn was nützten ein gepflegtes Äußeres und geschliffenes Vokabular, wenn dies alles nur eine glitzernde Kulisse bleibt und man(n) in seinem Verhalten keine Verlässlichkeit erahnen lässt, sich heute als höflicher Dr. Jeckyll und morgen als rüpelhafter Mr. Hyde gebärdet. „Wenn ein freundlicher Mensch auch noch zuverlässig ist, dann haben wir es schon mit einem halben Engel zu tun“, bemerkte bereits der deutsche Lyriker Ernst Reinhold Hauschka. Wir sollten ihn beim Wort nehmen, denn wer möchte nicht von seiner Umwelt Wertschätzung genießen und als halber Engel wahrgenommen werden?

Textquelle: www.gentleman-blog.de

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