Foto Fenster © arthurhidden / Fotolia.com - Foto Feldweg © gorosi / Fotolia.com
 

Lässigkeit 


Warum sie dich satt und glücklich macht

 

 

Text: Birgit Faschinger-Reitsam


In meinen 20igern war die Zeit der lila Latzhosen und darunter „Mein-Bauch-gehört-mir!“.
Ich trug tagsüber Jeans und Turnschuhe und abends war ich Bauchtänzerin.


Zehn Jahre später trug ich Businesskostümchen, Aktenköfferchen und hohe Hacken – und abends lag ich total erschöpft auf dem Sofa in Jeans und Socken.
 

Jetzt bin ich nicht mehr jung. Das heißt, biologisch schon, sonst würde ich nicht viermal die Woche in meine hohen Tangoschuhe schlüpfen und auf dem Parkett die Zeit vergessen. Aber weißt du was? Wenn ich mal gerade nicht tanze, schaue ich mich um. Und da gibt es Erstaunliches zu entdecken:

Zwei Welten
Die ganz jungen Frauen so um die 25, mit ihren Stilettos und supermini Röcken: bleiben meist sitzen. Sprich – sie werden nicht zum Tanzen aufgefordert. Daneben sind die eher unscheinbaren Frauen. Manche würden sie als adrett bezeichnen. Und sie tanzen und tanzen… und gehen beseelt nach Hause.

 

Ich schaue den Paaren auf die Füße. Die jungen Tänzerinnen haben eine atemberaubende Beintechnik – die Erfahreneren sind – räusper, lasziv langsam.
 

Ich schaue auf die Umarmung: ist da eine Verbindung? Überträgt sich die Energie der beiden? Wie begrüßen sie sich? Wie lösen sie die Umarmung wieder auf? Da kann unglaublich viel Genuss dabei sein – oder nur Mittel zum Zweck. Ich schaue ihnen ins Gesicht.
 

Die Männer konzentriert, die Frauen in ihren Armen gucken ob jemand guckt und vergleichen sich mit anderen – ODER sie tanzen mit geschlossenen Augen und verzückter Mine.
 

Ich finde das so spannend und mache mir meine Gedanken. Unerfahrene Frauen entschuldigen sich, wenn sie etwas nicht kapieren und sich „vertanzen“, die gefragten Tänzerinnen lächeln oder machen etwas daraus.


Click To Tweet
Mit dem Alter kommt die Langsamkeit. Bitte nicht verwechseln mit Schwerfälligkeit. Mich hat das damals schon so beeindruckt, als ich die berühmtesten Bauchtänzerinnen beobachtete. Sie waren in ihren 60igern. Und hatten eine Lässigkeit und einen Blick, unnachahmlich. Das kannst du nicht üben. Da kannst du nur hineinwachsen.

 

Lässigkeit heißt nicht Nachlässigkeit

Lässigkeit bedeutet eben nicht, uns einfach gehen zu lassen. Das Alter aus Ausrede zu benutzen.
Ein Mantra einschleichen lassen à la: „Mir schaut ja doch keiner mehr nach!“ oder sich auszuruhen:
„Ich brauche das nicht, ich hab einen Mann…“


In diesem Zusammenhang höre ich immer wieder: „Wozu Dessous – die sieht doch eh niemand“.
Oder was ich auch beobachte: mit zunehmendem Interesse an Spiritualität nimmt das Interesse an der äußeren Erscheinung ab.

 

Das ist eine Sache von Haltung, Respekt und Wertschätzung – Uns selbst gegenüber. In erster Linie.
Eine gewisse Haltung! Körperlich und mental. Eine Haltung, die deine Lebenserfahrung, Kompetenz und Liebe ausstrahlt.

 

Ohne Lässigkeit verhungerst du

Ich glaube, Lässigkeit hat sehr viel mit Loslassen zu tun. Zum Beispiel den Wunsch nach dem ewigen perfekt sein wollen. Dahin kommen wir nach vielen Jahren, in denen wir es anderen recht machen wollten. Um gelobt zu werden. Um ein Lächeln zu ernten. Bis wir irgendwann resigniert erkennen, dass das Lächeln denen geschenkt wird, die sich nicht abmühen. Und bis wir endlich kapieren, dass wir uns ein Lächeln selbst schenken müssen und dürfen, weil – ja weil wir sonst – emotional – verhungern.


Lässigkeit heißt zulassen

Es ist so einfach und doch so schwer. Zulassen was ist. Dich – so wie du bist zulassen. Meinetwegen auch zuzumuten. Auf jeden Fall nicht zurückhalten. Wir haben unglaublich viel Zeit vertrödelt mit Schauen, wie die anderen es machen. Damit haben wir unsere Achse, unser Gleichgewicht verloren. Immer wieder.
Ha – auf hohen Schuhen kommt das gar nicht gut. Unser Körper spiegelt das auf wunderbare, ehrliche
Weise wieder.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lässigkeit
kannst du nicht üben.
 Da kannst du nur hineinwachsen.

Foto Feldweg © gorosi / Fotolia.com

Lässigkeit heißt, dir selbst die Erlaubnis zu geben

Überlege bei einem gemütliche Cappuccino, was du dir so alles versagst. Was du gerne in Angriff nehmen würdest, das aber von einem „ja – mach nur“ deines Partners, deiner Kinder, Chef & Co. abhängig machst.

Ist es die Reise nach Indien, der Yogakurs, das High Heel-Training, das Wochenende mit deinen Freundinnen, eine Fortbildung…?


Und was ist mit den kleinen Dingen? Einmal nicht Kochen sondern Picknick im Rosengarten.
Gemütlich die Füße hochlegen und ein spannendes Buch lesen statt zu putzen. Raus an die Sonne statt drinnen die Zeit absitzen. Oder mal alle Pflichten für ein paar Stunden komplett ignorieren und etwas Schönes, möglichst Unvernünftiges machen.

 

(...) Es ist immer wieder spannend zu beobachten: Wenn du dir selbst die Erlaubnis gibst, kommt sie auch
von außen.

 

© Text mit freundlicher Genehmigung von
Birgit Faschinger-Reitsam, www.draufgaengerin.de

Foto Schuhe © WoGi / Fotolia.com

 

 

Kontakt:
 

Per Mail erreichen Sie uns wie folgt:

Redaktion: redaktion(at)kgsbremen.de

 

Anzeigen:
anzeigen(at)kgsbremen.de

 

Kleinanzeigen: kleinanzeigen(at)kgsbremen.de

 

oder nutzen Sie unser KONTAKTFORMULAR

hier klicken

 

weiter zu den

MEDIADATEN

 

----------------------------


Rufen Sie einfach an unter:

 

0049 (0)421 69897790

 

regelmäßige Bürozeiten:
DI + DO von 10-13 und 14-16 Uhr
und mit Terminvereinbarung


----------------------------------


Postadresse:

KGS Bremen Magazin

Postfach 77 01 29
D-28701 Bremen

oder

c/o Ruth Haselwander
Hindenburgstraße 55 B
28717 Bremen

 

NEWSLETTER bestellen/abbestellen

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Ruth Haselwander